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Dvigrad

April 7, 2017 by visitkanfanar

Es gibt zahlreiche Ruinen von Türmen, Schlössern und Burgen, aber es gibt nur ein Dvigrad – es wurde nicht ein Opfer von Militärgewalt oder Feuer, sondern es wurde verlassen, um allein das eigene Sterben zu erleben. Den Passanten als Mahnung und den Besuchern, die als Gäste erscheinen, als Erkenntnis, wie einst die mittelalterlichen Burgen Istriens ausgesehen haben.

Geschichte

Die Ruinen der mittelalterlichen Burg Dvigrad sind das wichtigste und bekannteste Kulturerbe der Gemeinde Kanfanar. Wie schon der Name „Dvigrad“ (Duo Castra, Due Castelli, Dvegrad) besagt, handelt es sich um eine zweiteilige Burg (Moncastello und Parentino), die schon im 9.-10. Jh. als einheitliche Burg erwähnt wurde. Der gemeinsame Name wurde auch nach dem Zerfall der Burg Parentino beibehalten, als nur noch die Ruinen von Moncastello erhalten geblieben sind.

Dank der ausgezeichneten strategischen Lage, der Nähe des Meeres und des reichhaltigen fruchtbaren Bodens war das Gebiet schon in der Urgeschichte besiedelt. Ende des 6. Jh. begannen sich auch die ersten slawischen Gruppen niederzulassen. Die Staatsverwaltung war noch nicht organisiert und auch das Land war verwahrlost. Das heruntergekommene Land kultivierten zu dieser Zeit die Benediktiner, die gerade in der Umgebung von Lim im frühen Mittelalter ihre Spuren hinterlassen haben. Geschichtsquellen erwähnen Dvigrad erstmals 879, als an Stelle des Bistums in Pula das Patriarchat von Aquileia mit der Jurisdiktion über die Dvigrader Kirche betraut wurde. Ende des 13. Jh. ergriffen die Grafen von Gorica Besitz von Dvigrad. Von da an änderte sich allmählich auch die ethnische Bevölkerungsstruktur dieses Gebiets, die trotz des Zustroms germanischer Bürger von Slawen dominiert war.

Ständige Kämpfe und Zusammenstöße kennzeichneten die nächste Epoche in Dvigrad. 1381 brandschatzten die Venezianer Dvigrad und metzelten die Bevölkerung nieder. Die Reliquien aus der Basilika hl. Sophia sind nach Sveti Lovreč Pazenatički (San Lorenzo del Pasenatico) gebracht worden. 1413 übernahmen die Venezianer die Macht über Dvigrad und erließen auch das Statut der Dvigrader Kommune, mit dem die Macht des Patriarchen abgeschafft wurde. Unter der venezianischen Macht schreitet in Dvigrad die Entwicklung voran, jedoch schon Ende des 15. Jh. wütet die Pestepidemie und bald darauf bricht Malaria aus.

Anfang des 16. Jh. siedeln sich in Dvigrad Flüchtlinge aus der Dalmatinska zagora, dem dalmatinischen Hinterland, und der Herzegowina an, die vor den Osmanen auf der Flucht waren. Gleichzeitig beginnt auch der Uskokenkrieg zwischen Venedig und Österreich, in dessen Verlauf die umliegenden Dörfer verwüstet wurden. Die Bewohner von Dvigrad begannen sich im umliegenden Gebiet anzusiedeln. Um das Jahr 1630 lag die Stadt vollkommen verlassen da. Geblieben sind nur die ärmsten Familien. 1714 siedelte die Pfarre von Dvigrad in das nahegelegene Kanfanar um, was auch das Ende von Dvigrad bedeutete.

 

Ein Spaziergang durch Dvigrad

Dvigrad liegt im Lim-Tal, einer tiefen Senke, die sich bis zum Lim-Kanal und nach Pazin erstreckt. Nur die Siedlungen liegen auf 150-175 m Seehöhe. Heute kann man die Ruinen von Moncastello besichtigen (der andere Teil von Dvigrad, die Festung Parentino, wurde bis in die Grundfesten zerstört und geblieben ist nur eine eingeebnete Fläche).

Dvigrad betritt man durch zwei Stadttore, die auch heute noch erhalten sind, und gelangt in den Stadtteil, der durch die erste Ringmauer befestigt war. Weitere Tore befinden sich an der zweiten Ringmauer. Verschiedene Tore ermöglichten den Zugang zur Stadt. Neben dem stattlichen Branič-Turm an der Südseite der Stadt führt der Weg durch das dritte und letzte Tor in das Stadtzentrum.

Die Stadt ist durch eine doppelte Verteidigungsmauer befestigt, hinter der die Überreste von 200 Gebäuden erhalten sind. Die Kirche hl. Sophia, die im mittleren Teil der Siedlung dominiert, weist verschiedene Bauphasen auf. In der ältesten frühchristlichen Phase (zweite Hälfte des 5. Jh.) stand hier eine einschiffige Kirche mit halbrunder Apsis. Im Laufe der Jahre kamen drei halbrunde Apsiden hinzu und die Kirche wurde mit Fresken ausgeschmückt. Im Laufe des 9. Und 10. Jh. wurden an der Südseite eine Taufkapelle und ein Glockenstuhl und im 14. Jh. an der Nordseite die Sakristei angebaut. Der gleichen Epoche wird auch die sechsseitige, reliefförmig verzierte Kanzel zugeordnet, die nach dem Untergang von Dvigrad in der Pfarrkirche von Kanfanar untergebracht wurde, wo sie auch heute noch besichtigt werden kann. Am Relief, das die Kanzel schmückt, hebt sich besonders jenes mit der hl. Sophia ab, die in jeder Hand eine Burg hält. Das ist das Symbol von Dvigrad und zugleich auch das Motiv des Wappens von Kanfanar.

Vor der Kirche breitet sich der Stadtplatz aus, in dessen Nähe sich auch die wichtigsten Gebäude von Dvigrad befinden – der Stadtpalast auf der Ostseite und das dem Kapitel gehörende Areal auf der Westseite. Im Südwesten der Siedlung lag die Zone der Gewerbetreibenden, während die Wohnfläche den restlichen Teil einnahm.

 

Legende

Legende über die Monstranz (Schaugefäß)

Im Jahre 1650, als Bischof Tomassini aus Novigrad im Rahmen seiner Besuchsreise Dvigrad einen Besuch abstattete, traf er in der Stadt bloß drei der Familien an, die ärmsten. Bis dann hatten sogar die Geistlichen Dvigrad den Rücken gekehrt, die diese verlassene Stadt jeden Tag aufsuchten, um die heilige Messe zu zelebrieren.  Da es ihnen schwerfiel, sich jeden Tag dorthin zu begeben, beschlossen sie, nur das Heilige Altarsakrament und die geweihte Hostie aus Dvigrad nach Kanfanar zu bringen. Als sie aber am nächsten Morgen die Kirche aufsuchten, fanden sie die Monstranz mit dem Heiligen Leib nicht mehr vor. Sie machten sich auf die Suche nach dem Schaugefäß und fanden es angestrahlt im Wald unterhalb von Dvigrad. Als der Geistliche versuchte, die Monstranz an sich zu nehmen, begann sie vor ihm zu fliehen und hielt erst dann an, als er das Messgewand überstreifte. Auf diese Weise gelang es ihm, die Monstranz der Kirche zu übergeben. Später hat Bischof Vaira das Zentrum der Pfarre auch amtlich aus Dvigrad nach Kanfar verlagert.

 

Legende über das verborgene Gold Henry Morgans

Henry Morgan war ein berüchtigter britischer Pirat, der unter Vollmacht des Gouverneurs von Jamaika, Thomas Mody, gegen die Spanier kämpfte. Seine Siege überstiegen oft die ihm anvertraute Vollmacht und sein größter Erfolg war die Eroberung Panamas. Angesichts dessen, dass mit der Plünderung Panamas der Friedensvertrag zwischen Spanien und England verletzt wurde, zog Morgan die Wut der Briten auf sich, die sich auf die Suche nach ihm machten. Wie die Legende besagt, war er auf der Flucht vor den Segelschiffen der englischen Flotte gezwungen, sich tief in das Gewässer des Adriatischen Meeres zu begeben und landete schließlich an der Lim-Bucht. Die Verschlängelung und Verborgenheit dieser Bucht schienen ihm ideal für sein Versteck und seines Schatzes zu sein. Nachdem er am Ufer des Lim-Kanals vor Anker gegangen ist, entdeckte er auch Dvigrad, das zu jener Zeit schon völlig verlassen war, und beschloss, dort seinen Satz zu verstecken. Seine neue Heimat fand Henry Morgan in der Nähe von Dvigrad in einem Dorf, das sich heute M(o)rgani nennt.